Mittwoch, 7. März 2018

Krank zur Arbeit - ein No-Go

Ich kann mich auch heute noch (nach fast 20 Jahren) an einen Satz meines Klassenlehrers in der gymnasialen Oberstufe erinnern. Sinngemäß ging er wie folgt: "Der Uli, das ist so einer: der ist auch dann in der Schule, wenn er den Kopf unter seinem Arm trägt!"  Zugegeben, mein Klassenlehrer lag mit seiner sicher etwas überspitzten Aussage nicht im Unrecht. Ich war tatsächlich einer, der "grundsätzlich" gerne in die Schule ging. Auch, ja auch wenn ich mich gesundheitlich nicht gut fühlte und, nebenbei bemerkt, mit Mathe eher auf Kriegsfuß stand. (Umso mehr bin ich überrascht und auch stolz, dass ich ein vergleichsweise gutes Wirtschaftsabitur - und studium hinbekommen habe.) Man beißt sich eben durch. Auch im späteren Arbeitsleben. Man hat es schließlich so gelernt.
"Krank in der Arbeit", dieses in der Fachsprache mit dem sperrig anmutenden Begriff "Präsentismus" belegte Phänomen, ist in unserer modernen Arbeitswelt sehr verbreitet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zu den häufigsten zählt die Sorge oder gar Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Man schleppt sich förmlich krank zur Arbeit, da man sonst befürchtet, vom Arbeitgeber gekündigt zu werden.
Ein weiterer, besonders auch in sozialen oder helfenden Berufen anzutreffender Grund für Präsentismus ist das oft übertriebene Pflichtgefühl. Sätze und Gedanken wie "Die Kollegen im Stich lassen, das geht ganz und gar nicht" oder "Meine Arbeit bleibt liegen, wenn ich krank zuhause bleibe" sind nicht selten. Man muss nur mal mehr in sich hineinhorchen.
Die Liste mit Gründen, warum Menschen gerade auch in sozialen Berufen trotz Krankheit in der Arbeit präsent sind, ließe sich weiter fortsetzen. Ich verzichte aber an dieser Stelle darauf.
Worauf ich allerdings noch vehement hinweisen möchte, ist so einfach wie genial: Wer krank ist und dennoch am Arbeitsplatz erscheint, gefährdet letztlich sich und andere. Stichwort "Krankheit verschleppen". Stichwort "Andere anstecken". Stichwort "Wenig leistungsfähig". So weit so schlecht - sowohl für die Mitarbeiter als auch die Unternehmen. Mit anderen Worten: Präsentismus verursacht letztlich auch bei den Unternehmen hohe direkte und indirekte Kosten. Deshalb: besser nicht meinem jugendlichen Leichtsinn folgen und mit dem "Kopf unter dem Arm" die Arbeit verrichten (wollen). Auf der häuslichen Couch kuriert es sich einfach besser aus.

Last but not least noch ein kurzer Exkurs zum Thema "Krankheit und Kündigung" in meine doch recht "kurvenreiche" Arbeitsbiografie. Ich habe mich im Sommer 2015 bei einer neuen Arbeitsstelle nach ca. sechs Wochen für zwei Tage krankgemeldet (Diagnose: grippaler Infekt) und bekam noch während der Dauer der Krankschreibung prompt die Kündigung. Wenige Tage zuvor saß ich noch (bereits gesundheitlich angeschlagen) mit meinem Team zusammen und wir erstellten gemeinsam unseren Dienstplan für den jeweils nächsten Monat. In der Probezeit ist man diesbezüglich regelrecht"vogelfrei". Trotz allem fand ich die Kündigung nicht angemessen, was ich dem Arbeitgeber auch gesagt habe. Ich war gerade einmal zwei Tage abwesend, gesundheitsbedingt!




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen