Das Verhältnis von Leistung und Anerkennung ist in sozialen Berufen (Erzieher, Sozialarbeiter, Krankenpfleger, etc.) schon sehr merkwürdig, um nicht zu sagen paradox.
Einerseites bekommen wir "Sozialprofis" nicht zuletzt in unserer Ausbildung oder unserem Studium zu hören, wie wichtig es doch sei, unsere Klienten oder Patienten zu loben und wertzuschätzen - für Dinge, die sie gut und erfolgreich machen. Wenn es aber um uns geht, um unsere tagtägliche oft kräftezehrende Arbeit, habe ich persönlich den Eindruck, dass wir für unsere geleistete Arbeit eher zu wenig als zu viel Anerkennung und Wertschätzung bekommen.
Dagegen kann man nun halten, dass Anerkennung und Lob letztlich im Auge des Betrachters liegen - wie so vieles. Was für den einen viel bedeutet, kam dem anderen nie genug sein und vice versa. Das mag sicher sein. Ich bin jedenfalls der festen Überzeugung, dass die Arbeit in sozialen Arbeitsfeldern mehr Anerkennung und Wertschätzung verdient als es derzeit in Deutschland der Fall ist. Ich denke, dass ich damit die Meinung vieler teile. Am Arbeitsplatz selbst, aber auch in unserer Gesellschaft. Immateriell wie auch materiell (Vergütung). Wenn ein Sozialarbeiter nach seinen Studium 2500 Euro Brutto (Vollzeit) oder teilweise noch weniger im Monat verdient (das ist bspw. bei Bildungsträgern der Fall, im Rahmen der Begleitung sogenannter "Maßnahmen"), dann steht das in meinen Augen in keinem gerechten Verhältnis zu seiner Ausbildung und verantwortungsvollen, psychisch oft anstrengenden Tätigkeit.
Das Gefühl, bei seiner helfenden Arbeit nicht angemessen entlohnt zu werden, das kenne auch ich nur zu gut - wahrhaft kein schönes, wenn Arbeitseinsatz einerseits und Belohnung andererseits sich nicht die Waage halten. Auf Dauer erzeugt das ein chronisches Stressempfinden, was wiederum in Krankheit enden kann. Der Soziologe Prof. Siegrist bringt den Zusammenhang von Anstrengung ("Verausgabung") und Anerkennung in seinem Modell der Gratifikationskrise zum Ausdruck.
Zu den häufigsten stressbedingten Erkrankungen zählt der Burnout bzw. die Depression. Depressionen sind in vielen Fällen die Folge von Burnout. Angehörige sozialer Berufe sind davon besonders häufig betroffen. Vor diesem Hintergrund plädiere ich für eine stärkere Wertschätzung sozialer Berufe in unserem Land. Wir müssen dabei im Grunde nur einen Blick über unsere Landesgrenzen hinweg werfen. Die skandinavischen Länder oder die Schweiz gehen diesbezüglich mit gutem Beispiel voran. Wer dort in der Altenpflege arbeitet oder Kinder betreut, der kann mit mehr gesellschaftlicher Anerkennung rechnen als hierzulande. Mit anderen Worten: unsere Klienten oder Patienten wollen und sollen gelobt sowie als Menschen wertgeschätzt werden. Wir aber auch! Als deren Betreuer, Helfer oder Förderer! Deshalb: mehr Lob und Anerkennung für die Sozialbeschäftigten in unserem Land. Auch mehr Eigenlob - er stinkt nämlich ganz und gar nicht.
Gute Idee einen Blog zum Thema zu haben. Warum hast Du nicht wordpress gewählt? Kennst Du die Liste von Blogs zur Sozialen Arbeit von Benedict Greyer? https://benedikt-geyer.de/blogs-der-sozialen-arbeit-liste/
AntwortenLöschenFür den Einstieg in die Blogwelt ist das hier ok. Und danke für den Hinweis mit der Liste
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